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Savonlinna Opernfestspiele – jährlich im Juli


Geschichte
Die finnische Sopranistin Aino Ackté, die Ruhm auf den internationalen Opernbühnen erlangt hatte und eine leidenschaftliche Patriotin war, besuchte eine festliche Veranstaltung im Jahre 1907 in der Burg Olavinlinna. Sie verstand damals sofort, dass die 1475 gegründete mittelalterliche Burg eine wunderschöne Umgebung für Opernfestspiele wäre. Ihrer Meinung nach würde die romantische Burg, die in der Mitte „einer außergewöhnlich schönen Seenlandschaft“ aus dem Wasser steigt, jeden beeindrucken. Es wäre ein idealer Schauplatz, um die Musik Finnlands vorzustellen. Finnland war damals noch ein Großfürstentum Russlands, welches aber bald als eine unabhängige Nation „aufblühen“ würde.

Die ersten Opernfestspiele fanden in Savonlinna im Sommer 1912 statt. Aino Ackté löste ihr Versprechen ein und machte die Burg Olavinlinna zum Standort der finnischen Opernkunst – in fünf Sommern wurden dort fünf finnische Opern aufgeführt. Praktisch bedeutete dieses, dass bei den Festspielen fast alle bis dahin komponierten finnischen Opernwerke auf die Bühne gebracht wurden. Die erste ausländische Oper, die in Olavinlinna aufgeführt wurde, war Faust von Charles Gounod 1916. Aino Ackté, die Primadonna der großen Bühnen der Opernwelt, stellte selbst Marguerite dar.
Der erste Weltkrieg, die russische Revolution und der finnische Bürgerkrieg mit den darauf folgenden finanziellen Schwierigkeiten ruinierten jedoch die großen Pläne von Frau Ackté, aber der Ruhm der Festspiele hatte sich schon außerhalb der finnischen Grenzen herumgesprochen.
1930 wurde die erste Uraufführung bei den Opernfestspielen dargeboten, als das Singspiel Talkootanssit („Erntetanz“) von Ilmari Hannikainen inszeniert wurde.

Neuer Beginn
Seit 1955 wurden die sogenannten „Savonlinna Musiktage“ organisiert. Im Rahmen der auf die Ausbildung junger Künstler gerichteten Musiktage wurde 1962 auch ein Opernkurs angeboten.
Der Wiener Kammersänger Peter Klein, der als Lehrer für den Kurs tätig war, war der Ansicht, dass die Burg Olavinlinna eine perfekte Bühne für den Opernkurs abgeben würde. So war wieder die Idee über Oper in der Burg entstanden. Neben Klein beschäftigten sich die großen Opernliebhaber Savonlinnas – Bürgermeister Viljo Virtanen, musikalischer Allroundman Pentti Savolainen und Touristikleiter der Stadt Savonlinna Pertti Mutka – mit dem Gedanken für die nächsten Jahre.

Die Ideen und Pläne des finnisch-österreichischen Quartettes wurden mit der Zeit immer ehrgeiziger. Zur Aufführung haben sie schließlich Beethovens Fidelio gewählt, aber neben der studentischen Besetzung wollte man eine zweite Besetzung engagieren, die aus den besten damaligen finnischen Solisten bestehen sollte. Nach jahrelangen Planungen wurde der Höhepunkt im Sommer 1967 erreicht: Die Premiere von Fidelio fand auf dem Burghof vor einem großen Publikum statt. Bei der Aufführung, die sogar im Fernsehen übertragen wurde, war der finnische Präsident Urho Kekkonen als Ehrengast anwesend. Damit hatten die Savonlinna Opernfestspiele ihren neuen großartigen Anfang genommen!

Aus dieser einwöchigen Veranstaltung sind die Opernfestspiele in Savonlinna im Laufe der Jahre zu einem internationalen Festival geworden, das heute über einen Monat dauert. Von den jährlich ca. 60 000 Besuchern sind 10 % Ausländer. Savonlinna ist zum Begriff unter den Opernfreunden in der ganzen Welt geworden. Der hohe künstlerische Anspruch der Festspiele hat schon in den 1970er Jahren in großem Umfang Interesse und Bewunderung geweckt. Der Erfolg war vor allem dem weltberühmten Bassisten Martti Talvela zu verdanken. Talvela arbeitete als künstlerischer Leiter der Opernfestspiele und verfolgte konsequent das gleiche Ziel wie Aino Ackté zu ihrer Zeit – Savonlinna sollte das künstlerische Niveau der großen europäischen Festspiele erreichen und gleichzeitig der Welt das beste Können der finnischen Opernwelt präsentieren.
           
Uraufführungen
Bei den Savonlinna Opernfestspielen sind nach dem ersten Auftragswerk Talkootanssit dreizehn Weltpremiere dargeboten worden. In Savonlinna sind zum ersten Mal Ratsumies („Der Reitersmann“ 1975), Kuningas lähtee Ranskaan („Der König geht nach Frankreich“ 1984, Gemeinschaftsproduktion mit Covent Garden und BBC) und Palatsi („Der Palast“ 1995) von Aulis Sallinen, Veitsi („Das Messer“ 1989) von Paavo Heininen, Aleksis Kivi (1997) von Einojuhani Rautavaara samt Aika ja uni („Zeit und Traum“ 2000) von Herman Rechberger, Olli Kortekangas und Kalevi Aho aufgeführt worden. Das letztgenannte Werk besteht aus drei kleineren Opern in einem Akt, die zusammen aber eine einzigartige Einheit bilden. In der Saison 2007 erlebte die Oper Isän tyttö („Vaters Mädchen“) vom Komponisten Olli Kortekangas ihre Premiere.

Im Sommer 2012 feierten die Savonlinna Opernfestspiele ihr 100-jähriges Jubiläum sogar mit zwei Uraufführungen, beide waren geradezu bahnbrechend im Programmprofil der Festspiele: Kimmo Hakolas La Fenice war die erste finnische Oper, deren Libretto in italienischer Sprache geschrieben ist. Das andere Werk, Free Will, das auf Englisch gesungen wird, war von besonderer Art wegen seines Entstehungsprozesses. Es wurde nämlich von der Internetgemeinschaft Opera by You nicht nur inspiriert, sondern zum großen Teil auch realisiert.

Im Sommer 2004 sind die Festspiele künstlerisch einen neuen Weg gegangen, indem Jaakko Kuusistos Koirien Kalevala („Hundekalevala“), die auch für die Kleinsten der Familie geeignet ist, auf die Bühne gebracht wurde. Zwei Jahre später folgte eine zweite Kinderoper Hui kauhistus („Hilfe, es spukt!“ 2006) von Jukka Linkola nach. Diese zwei Werke sowie Seitsemän koiraveljestä („Sieben Hundebrüder“) von Markus Fagerudd, dessen Premiere 2008 bei den Savonlinna Opernfestspielen stattfand, bilden zusammen die sogenannte „Hundetrilogie“ und basieren auf den Kinderbüchern vom finnischen Schriftsteller Mauri Kunnas.
Norppaooppera („Ringelrobbenoper“), die die bedrohte Saimaa-Ringelrobbe thematisiert und von Timo-Juhani Kyllönen komponiert wurde, setzte im Sommer 2013 die Uraufführungsserie der Kinderopern fort.

Neben den Uraufführungen haben die Savonlinna Opernfestspiele Meisterwerke der klassischen Opernliteratur als ihre eigenen Aufführungen inszeniert. Davon hat sich als die bedeutendste Mozarts Zauberflöte unter der legendäre Regie von August Everding (1973) erwiesen. Zwischen 1973 und 2014 ist sie in 25 Sommerfestspielen aufgeführt und schon von mindestens zwei Generationen Opernbesucher gesehen worden.

Gastierende Opernhäuser aus aller Welt

Seit 1987 (Nationaloper Estonia aus Tallinn) bereichern ausländische Gastspiele das Programm der Savonlinna Opernfestspiele. Über die Jahre haben mehrere angesehene Opernhäuser Savonlinna besucht, u.a. das Mariinsky-Theater aus Sankt Petersburg, das Bolschoi-Theater aus Moskau, das ROH Covent Garden aus London und die Königliche Oper aus Stockholm. Zu den Gästen bei den Festspielen zählen dazu Opernhäuser aus Asien sowie Nord- und Südamerika. 2015 waren zum ersten Mal zwei ausländische Opernhäuser in derselben Saison zu Gast in Savonlinna und zwar die Volksoper Wien und die Semperoper Dresden.

Eigene Produktionen auf Reisen
Die Savonlinna Opernfestspiele haben auch ihre eigenen Produktionen ins Ausland ausgeführt. Im Laufe der Jahre haben sie Spanien (1997), Frankreich (1998), Italien (1999), Schweden (2000 bis 2002 u. 2004), Israel (2001), Chile (2003), Dänemark (2002 bis 2003), Malaysia (2003), Russland (2006) und China (2009 u. 2014) besucht.

Das Festival hat sich zu einer der weltweit bekanntesten Kulturveranstaltungen Finnlands entwickelt. Wie Aino Ackté es ausgedrückt hat: „Eine hochwertige Opernaufführung in der romantischen, mittelalterlichen Burg in der Mitte einer Seenlandschaft ist ein einzigartiges – und deshalb auch ein unvergessliches Erlebnis.“